Verein

Unsere Heimat

Der Knabenverein Kleinandelfingen ist seit der Gründung im Jahre 1812 im Zürcher Weinland zuhause. Kleinandelfingen liegt etwa in der Mitte zwischen Winterthur und Schaffhausen. Wie alle anderen Dörfer ist auch Kleinandelfingen nicht mehr so klein, wie es das früher mal war. In den letzen 20 Jahren ist das Dorf unheimlich gewachsen, damit ist eine gewisse Anonymität entstanden. Es ist nicht mehr so, dass jeder jeden kennt.

Geschichte vom Knabenverein Kleinandelfingen

Der Weg zur Vereinsgründung

1812 Das älteste Dokument, das auf die Tätigkeit der Kleinandelfinger Knaben hinweist, trägt das Datum 25. August 1812, mit dem Titel: „ Verabredung der Klein-Andelfinger Knaben-Gesellschaft um Streitigkeit und Unanständigkeit zu verhüeten“. Unterzeichnet wurde die Gründungsurkunde von 25 Knaben aus Kleinandelfingen.

Am 24. März 1845 erscheint erstmals wieder ein Dokument über den Knabenverein Kleinandelfingen, damals wurden die Statuten beschlossen, welche noch heute im Gemeindearchiv abgelegt sind. Die wichtigste Zielvoraussetzung wurde aus der Gründungsurkunde übernommen, „der Zweck der Gesellschaft ist hauptsächlich derjenige, sich gemeinsam in den Schranken des Anstandes zu belustigen“. Geleitet wurde die Knabengesellschaft aus einer Vorsteherschaft bestehend aus vier Mitgliedern.

Am 17.Dezenmber 1859 gab sich der Verein neue Statuten. Ob es sich dabei um eine Revision gehandelt hat oder ob der Verein neu gegründet worden ist, kann wegen der fehlenden schriftlichen Zeugnisse nicht mehr eruiert werden. Diese Statuten haben dem Verein die Struktur gegeben, die er heute noch hat. Neu besteht der Vorstand aus drei Leuten, darunter einen Protokollführer, seither wurde lückenlos über den Knabenverein Bericht erstattet. Anderseits bestand der Zweck des Knabenvereins nicht mehr bloß in der Belustigung, sondern wurde subtiler umschrieben: „ Belehrung und Unterhalt, in allem, was sittlicher und bürgerlicher Bildung gemäß ist und dieselbe fördert. Zusammenkünfte zu vernünftigen und volkstümlichen Gesellschaftsvergnügen, bestehend in Gesang, Erzählungen, Tanz, Veranstaltung kleiner Bälle, Teilnahme an Volksfesten und Spaziergängen in corpore.“

Erstmals wurde auch ein althergebrachtes Recht schriftlich erwähnt, welches in Kleinandelfingen auch heute noch gilt, bzw. dem der Knabenverein nötigenfalls zur Geltung verhilft: „ Hingegen ist es dem Verein erlaubt, solchen Freunden (wie Gesellen, Knechte, Lehrjungen etc.), welche irgendwelche Bekanntschaften in hiesiger Gemeinde machen, ein gebührendes Anstandsgeld abzufordern oder solche nach gewohnter Sitte zur Ordnung zu weisen.“

1871 Um dem statutarischen Auftrag gerecht zu werden, die bürgerliche Bildung zu fördern, schafften sich die Knabis ein Deklamationsbuch an, so dass sie kunstgerechte Vorträge halten konnten. Es wurden Anstrengungen unternommen, das Niveau des Gesangs zu heben. Die Knabis besuchten zeitweise Gesangsstunden bei einer Volksschullehrerin.

1872 wurde die Bedeutung so groß, dass eine Gesangssektion gegründet wurde, was sich jedoch als verhängnisvolles Eigentor erweisen sollte.

Zunächst aber hielt ein Ereignis die Gemeinde in Atem, welches den damaligen Aktuar Adolf Landolt dazu veranlasste, Hunderte von Seiten ins Protokollbuch zu schreiben. Sämtliche Zeitdokumente und Briefe wurden ins Protokollbuch geklebt. Nachtwächter Sigg beschuldigte die Knaben, 1873 an der Fasnacht seinen Bruder erschlagen zu haben, der an einem traurigen Morgen tot in seiner Scheune aufgefunden worden war. Sigg liess sich auch dann nicht von seiner Meinung abbringen, als der herbeigerufene Arzt feststellte, dass die tödlichen Verletzungen nur durch den Sturz vom Heuboden herrühren konnten. Als der Nachtwächter weiterhin seine Version im Dorf verbreitete, beschloss der Knabenverein Verleumdungsklage einzureichen. Der Gang vor den Friedensrichter brachte vorerst keine Einigung, so dass das Bezirksgericht entscheiden musste. Dies verurteilte Sigg zu einer Geldstrafe von 40 Franken. Zuerst gab sich der Angeklagte nicht geschlagen und wollte das Urteil weiterziehen, zog später seine Appellation zurück, womit das erstinstanzliche Urteil Gültigkeit erlangte. Es bedurfte aber einer Betreibung, ehe Sigg seine Busse bezahlte. Dieses tragische Ereignis stärkte den Verein keinesfalls, die Mitgliederzahlen gingen stetig zurück. Durch die kürzlich gegründete Gesangssektion blieben Hochzeitsgeschenke für den Knabenverein aus. Die Gesangssektion kam nun in den Genuss von Gaben der Heiratswilligen. Die Situation führte zu finanziellen Engpässen.

1875 wurden die Versammlungen gänzlich eingestellt und das Vermögen auf die verbleibenden Mitglieder aufgeteilt. Knapp zehn Jahre später, am 24. Februar 1885 wurde der Verein, auf Grundlagen der alten Statuten, neu gegründet.

1895 wurde der Verein aus unbekannten Gründen erneut aufgelöst.

Vier Jahre später, am 15. Januar 1899 wurde der Verein mit acht Mitgliedern neu gegründet und seither besteht er ohne Unterbruch.

Der Knabenverein im 20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm das Vereinsleben seinen gewohnten Gang. In regelmässigen Abständen wurden Versammlungen, Reisen und Abendunterhaltungen durchgeführt, ebenfalls wurde wieder eine Gesangssektion gegründet. Der erste Weltkrieg machte der Bevölkerung zu schafften, auch der Knabenverein litt darunter. Es konnten kaum Versammlungen abgehalten werden, ans Reisen und Singen war erst recht nicht zu denken. Hinzu kam, dass immer wieder Mitglieder vom Knabenverein an die Grenze gerufen wurden und dort ihren Dienst leisten mussten. Zudem gesellte sich die spanische Grippe hinzu, Todesopfer gab es in Kleinandelfingen glücklicherweise keine zu beklagen, jedoch viele Erkrankungen. Der Knabenverein versuchte dort zu helfen, wo die Not am grössten war. Nach Kriegsende und überstandener Grippe hatten die Knaben Mühe, den gewohnten Rhythmus zu finden. Erst gegen Ende der zwanziger Jahre nahmen die Vereinstätigkeiten wieder vermehrt zu, wie den Protokollen zu entnehmen ist.

Die Regsamkeit im Vereinsleben war nicht von langer Dauer, noch vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges ging die Vereinstätigkeit zurück. Während dem Krieg war ein normales Vereinsleben undenkbar, im Jahre 1940 konnte keine einzige Versammlung abgehalten werden. Im darauffolgenden Jahr deren zwölf. Immer wieder waren auch Knabis involviert und wurden an die Grenze beordert.

In der Nachkriegszeit konnte bald zur normalen Tagesordnung übergegangen werden. Doch bereits in den fünfziger Jahren hatte der Knabenverein mit dem schwachen Mitgliederbestand öfters zu kämpfen, was beinahe zu einem Stillstand im Vereinsleben führte. Im Jahre 1954 wurde lediglich ein Eintrag ins Protokollbuch gemacht, diesem ist folgendes zu entnehmen: „Nachher brach leider wieder einmal die in letzter Zeit so gefürchtet Ruhe über unseren Verein. Die wenigen Versammlungen, die noch einberufen wurden, waren so schlecht besucht, dass es sich nicht lohnte, sie im Protokoll aufzuführen“.

Die zweite Hälfte der fünfziger Jahre brachte einen Aufschwung, der bis heute anhielt. Die Mitgliederzahlen nahmen nun stetig zu, die Versammlungen wurden regelmässig abgehalten und ins Protokollbuch eingetragen. Dem Knabenverein eröffneten sich neue Tätigkeitsfelder. So erfährt man erstmals vom Chlausen. Das Tenü entwickelte sich langsam in die Richtung, wie wir es heute kennen. 1859, feierte man vermeintlich das Hundert jährige Bestehen des Knabenvereins Kleinandelfingen, die beteiligten gingen davon aus, der Verein sei 1859 gegründet worden. Kurz vor der Feier tauchten die Gründungsurkunde und weitere Dokumente in einem Kleinandelfinger Estrich auf, die Feier war bereits soweit geplant, dass sie durchgeführt wurde.

Mit dem Kleinandelfinger Herbstfest 1977 erhielt der Knabenverein Kleinandelfingen die Gelegenheit als Festwirt aufzutreten. Die Vorbereitungen begannen auch damals weit im Voraus.

1978 fand erstmals wieder eine 1. Augustfeier in Kleinandelfingen statt. Der Knabenverein war nicht nur für Feuer und Feuerwerk verantwortlich, sondern betrieb erstmals auch die „Knabi- Bar“.

Naheliegend, dass sich die Knabis auch 1985 am ersten Frühlingsmarkt beteiligten und die Knabi- Beiz führten. Diese hält bis heute an und ist den meisten Dorfbewohnern und Marktbesucher bekannt.

Im September 1987 wurde dann das große 175-jährige Jubiläum des Knabenvereins Kleinandelfingen gefeiert. Unter den Gästen fanden sich sieben Knabenvereine aus dem Kanton Zürich. Mit den hiesigen Dorfvereinen wurde der Samstagabend zu einem unvergesslichen Erlebnis. Der Sonntag war geprägt durch den Knabi- Match und die Festwirtschaft. Die Jubiläumsreise entschädigte die Beteiligten für die geleisteten Stunden.

Wenig Wandel, viel Aktivität

Der Knabenverein Kleinandelfingen war in den letzten 25 Jahren sehr aktiv, davon zeugen die umfangreicheren Protokolle. Es wurden kleinere Statutenanpassungen vorgenommen, welche aber nicht von Bedeutung sind und auf das Vereinsleben keinen Einfluss haben. Die meisten Ereignisse wiederholen sich im Rhythmus von zwei Jahren. Die Festwirtschaft am Frühlingsmarkt findet alle zwei Jahre guten Anklang bei den Besuchern. Die Knabi-Reise ist fest im Jahresprogramm verankert. Im Jahre 2010 fiel die Reise allerdings aus, weil man im Hinblick auf die 200-Jahr-Feier etwas Geld auf die Seite legen wollte. Beobachtet man die Reiseziele der letzten Jahre, so stellt man fest, dass die Reisen vermehrt ins Ausland führten. Die Inlandreisen dauern zwei Tage, die Auslandreisen deren vier. Ehrlicherweise muss man eingestehen, dass Reisen ins Ausland immer sehr kostspielig sind, und doch eher stark auf die Vereinskasse drücken. Denn das Knabi-Budget ist eher bescheiden.

Jährlich findet der Fussballmatch gegen den Knabenverein Adlikon statt, auch der hat schon eine lange Tradition. In den letzten Jahren gewannen vermehrt die Adliker, da sie den halben FC Ellikon Marthalen zur Verfügung hatten. Es gab auch Zeiten, da war es umgekehrt, es wird bestimmt wieder ändern.

Alle fünf Jahre führt der Knabenverein einen Ehemaligen-Treffen durch, nur am Rande, 1959 wurde diese Tradition eingeführt. Die ältesten, alle ehemaligen Präsidenten und diejenigen, welche am längsten im Knabenverein Einsitz hatten, werden geehrt. Das Treffen am 11. August 2012 wird ein spezieller Anlass, welcher eine weitere Möglichkeit bietet zurückzublicken.

Der Knabenverein hat sich vor allem in den letzten fünf Jahrzehnten seiner Geschichte stets dem Wandel der Zeit angepasst, anpassen müssen, sonst gäbe es ihn vielleicht gar nicht mehr. Aber er hält weiterhin alte Traditionen hoch, so gut es möglich ist.

„Um Streitigkeit und Unanständigkeit zu verhüeten“ lautet die Überschrift der Verabredung vom 25. August 1812, als sich die jungen Männer Kleinandelfingens versammelten und das Dokument unterschrieben, das die Grundlage der 200-Jahr-Feier ist. Die bevorstehende Feier bietet die Möglichkeit, zurückzublicken in längst vergangene Zeiten, welche dem einen oder anderen Ehemaligen Knabi noch gut in Erinnerung sind.

Die Geschichte über den Knabenverein Kleinandelfingen wurde für die Festschrift von Alfred Spaltenstein, Robert Erb, Urs Kindhauser und Fritz Aeberhardt aufgearbeitet. Genaueres ist in der Festschrift mit dem Titel: „Böllerschüsse und Heirtatsgeld“ nachzulesen. Fritz Aeberhardt hat für den Festführer und die Homepage die Geschichte gekürzt und angepasst.